Wasserköpfe in Europa: Index of Primacy

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Wien hat, insbesondere natürlich in den Bundesländern, das Image eines Wasserkopfes. Bedingt vor allem durch die historische Entwicklung lebt ein gutes Viertel aller Österreicher in und in unmittelbarer Nähe zu Wien. So gut wie alle Bundeseinrichtungen sowie Headquarter von Banken, Versicherungen und Konzernen sind in Wien.

Wien steht im europäischen Vergleich nicht als einziger überdimensionierter Wasserkopf eines Staates da. Eine einfache Methode um zu zeigen, wie stark eine einzige Stadt ein Land dominiert, liegt auf der Hand, auch ohne Geographie oder Urbanistik studiert zu haben: Wie sieht die Relation zwischen der größten Stadt und dem unmittelbaren Verfolger, der second city aus? Die Geographen haben diesem Wert sogar einen Namen gegeben, den Index of Primacy.

Wie sieht dieser Index nun für verschiedene Länder in Europa aus? Basierend auf den Bevölkerungsdaten der englischsprachigen Wikipedia ergibt sich folgende Liste:

Index of Primacy European Cities

Index of Primacy European Cities

Natürlich ergibt dieser Vergleich kein absolut korrektes Bild (Gemeindegrenzen, Agglomeration, einfache Methode, viele gleich große second cities…), aber es kann doch einen grundsätzlichen Eindruck über die Dominanz einer Stadt in einem Land vermitteln und einige interessante Aspekte aufzeigen.

Wie sich zeigt haben die Österreicher durchaus recht damit, dass Wien – verglichen mit der Größe des Landes – ein enorm großer Wasserkopf ist, schließlich ist der Index nur noch bei der zweiten Hauptstadt der ehemaligen K.u.K-Monarchie sowie im britischen London höher.

Eine gewisse Tendenz zu einer großen, alles bestimmenden Stadt ist neben Wien und Budapest auch in anderen (süd-)osteuropäischen, slawischen Ländern erkennbar, beispielsweise in Kroatien, Tschechien oder Slowenien.

Vor allem die Dominanz von Paris für Frankreich sticht nicht so sehr hervor wie es in Wirklichkeit der Fall ist. Würde man statt den Städten die urbanen Agglomerationen von Paris (10.550.350) und Marseile (1.560.921) vergleichen würde das einen Index of Primacy von 6,759 ergeben und der Stellung Paris’ eher gerecht werden.

Im Mittelfeld, mit einem Index von ungefähr 2,3, liegen die nordischen Länder Dänemark, Norwegen und Finnland.

Vie weniger dominant ist die Rolle – zumindest hinsichtlich der Bevölkerung – die Situation in westeuropäischen Ländern wie Belgien, Deutschland, der Schweiz oder Spanien.

Ein richtiges Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich Amsterdam und Rotterdam in den Niederlanden sowie Glasgow und Edingburgh in Schottland.

Als Anhänger von Dezentralisierung, Bürgernähe und gleiche Möglichkeiten für alle sind mir natürlich Länder und Städte mit weniger dominanten Gebieten um einiges sympathischer.

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